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Im Schuljahr 1981/82 wurden erstmals drei sehgeschädigte Kinder, die nicht in der Lage waren, den Stoff des 1. Schuljahres zu bewältigen, in einem Schulkindergarten gefördert. Bis Ende des Schuljahres hatte sich die Zahl der Kinder bereits auf sechs erhöht. Geplant wurde dann ein integrativer Schulkindergarten mit sehgeschädigten und sehenden Kindern. Dieser Traum blieb jedoch auf zwei Kinder beschränkt, die jeweils als Zwillingsschwestern mit aufgenommen wurden. Auf Grund der Nachfragen aus der Frühförderung wurden im weiteren Verlauf auch sehgeschädigte Kinder aufgenommen, die schon vor Beginn der Schulpflicht förderungsbedürftig erschienen. Während die erste Gruppe noch vormittags in der Schule und nachmittags im Internat untergebracht war, erhielt der Schulkindergarten 1984/85 eigene Räume im Erdgeschoss des Internatsgebäudes mit dem Zugang über eine Rampe für Rollstühle und Kinderwagen. Derzeit besuchen fünfzehn blinde, sehbehinderte und mehrfachbehinderte Kinder den Kindergarten der Schule. Die kleinen Persönlichkeiten in unserem Schulkindergarten sollen sich selbst als Menschen erleben, die viele, viele Fähigkeiten besitzen, den Tag für sich zu gestalten. Ganz wichtig und spannend ist es, den eigenen Körper zu entdecken und zu spüren. Da das Spiegelbild fehlt oder nur undeutlich wahrgenommen wird, ist das Kennenlernen des eigenen Gesichtes schon ein Abenteuer, verbunden mit Ängsten, Überraschungen und einer Skala von unterschiedlichen Gefühlen. Wegen ihrer Sehschädigung und oft zusätzlicher Behinderung sind die Kinder darauf angewiesen, dass sie mit den Dingen buchstäblich hautnah zusammengebracht werden, um sie kennenzulernen. Sie brauchen viel Raum und Zeit, immer wieder Ermutigung und Grenzerfahrung, um das Vertrauen in die eigene Person zu entwickeln und einen guten Umgang mit Anderen zu finden. A und 0, die Welt für sich zu entdecken, ist der Mut und das Können, sich in ihr eigenständig zu bewegen. Orientierung und Mobilität - Schlagwörter unserer Zeit - erfordern unendlich viele Bausteine des Erkennens und Zuordnens. Optische Reize in Farben, Lichtstrahlen, Schatten und unklare Konturen müssen gedeutet werden. Das Ertasten vieler unterschiedlicher Oberflächen und Formen erfordert Mut und Konzentration. Töne, Geräusche, Gerüche kennzeichnen Orte und Richtungen. Alle diese Grundlagen in Spielen, möglichst mit Freude, Spaß und in eigenen kleinen Schritten zu erlernen, ist ein Teil des Weges. Schwieriger ist es, aus all den Einzelheiten einen Zusammenhang herzustellen. Zum Beispiel: die Hand fühlt eine feste, kalte Wand. Ich kann die Wand entlang gehen. Plötzlich stoße ich auf vorstehendes Holz, ein Stück Holzwand. Hat diese Holzwand an einer Seite eine Klinke, ist es eine Tür. Wenn ich die Klinke nach unten drücke, daran ziehe oder sie von mir wegdrücke, bewegt sich die Tür. Es entsteht eine Öffnung. Gehe ich durch diese Öffnung, komme ich in einen anderen Raum oder ins Freie. Die vielfältigen Bewegungsformen und all die kleinen Dinge des Alltags wie An- und Ausziehen, Essen und Trinken, sich waschen und Zähne putzen usw. können nicht durch Zuschauen erlernt werden. Auch nicht Schneiden, Kleben, Falten, Fädeln, Zusammenstecken und Auseinandermachen. Üben, üben, üben bis die Erwachsenen zur Seite geschoben werden: "Ich kann es allein!" - möglichst vor dem Eintritt in die Schule. |
Kindergarten
