Mein Zivildienst(Aus dem Alltag eines ehemaligen Zivis)Hallo, ich bin 19 Jahre alt und habe nach meinem bestandenen Abitur im Juli 2005 meinen neunmonatigen Zivildienst im Mehrfachbehindertenbereich (kurz: Mfb) der Louis Braille Schule für Blinde und Sehbehinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Lebach angetreten. Nachdem ich nun meinen Zivildienst abgeleistet habe, hat sich meine anfangs eher skeptische Einstellung zu diesem besonderen Jahr meines Lebens grundlegend geändert. Anfangs bin ich wie die meisten junge Männer, die nach ihrer Schullaufbahn oder ihrer Ausbildungen zum Wehrdienst herangezogen wurden, mit einer zu negativen Sicht der Sache an meinen Zivildienst herangegangen. So dachte ich, dass durch diese neun Monate mir von Vater Staat ein ganzes Jahr in meiner Schul- und Ausbildungskarriere geklaut wird. Ich sah nur den Zwang diesen Dienst ableisten zu müssen und die schwindenden Chancen dem nationalen und internationalen beruflichen Wettlauf stand zu halten. Jedoch habe ich in den vergangen neun Monaten die Schüler und Schülerinnen, die alle Kombinationen von blind oder sehbehindert, geistigen und körperlichen Behinderungen aufweisen näher kennen gelernt. So betreue ich mit 10 Pädagogen und Pädagoginnen sowie etwa einem Dutzend Praktikanten und Praktikantinnen 26 mehrfach behinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Die Alterskategorien liegen zwischen 6 und 20 Jahren. Meine täglichen Aufgaben umfassen das frisch machen, füttern und arbeiten von und mit den Kindern. Hinzu kommen noch diverse Reinigungsarbeiten, die die gesamte Abteilung umfassen. Dies alles hört sich nach einem undankbaren anstrengenden Job an, aber es ist bei weitem besser als man im ersten Moment annimmt. So sind für mich der kollegiale Umgang innerhalb des Personals und das Strahlen der Kinder und Jugendlichen wenn man sich mit ihnen beschäftigt und sich ihnen zuwendet ein weitaus befriedigender Lohn als alles Geld der Welt, den ich nach meinem Zivildienst bestimmt ein Stück weit missen werde. So kann ich sagen, dass ich heute froh bin, mich für meinen Zivildienst entschieden zu haben, obwohl ich später in einen technischen Beruf mein Brot verdienen möchte. Ich empfehle jedem, der sich für seinen Zivildienst entschieden hat und die Zeit sinnvoll für sich selbst und andere verbringen möchte: Kommt einfach einmal vorbei und schaut euch einen Tag Betreuung von Mehrfachbehinderten an, er ist oft anders als man sich es vorstellt. ehemaliger Zivi |
| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 07. Januar 2010 um 17:49 Uhr |